Content Modellierung

von Irving Tschepke

Eines unserer Kernthemen ist die Konzeption und Umsetzung von Informationsportalen. Wie der Name bereits sagt, stellen Informationsportale Informationen aus verschiedensten Quellen dem Anwender zur Verfügung. Das Besondere dabei ist die Personalisierung. Informationen werden anhand des individuellen Bedarfs eines Benutzers zur Verfügung gestellt. D.h. nicht mehr der Benutzer sucht nach den für ihn geeigneten Informationen sondern Informationen, die für den Benutzer wichtig sind, werden ihm einfach zugänglich zur Verfügung gestellt. Anhand des Benutzerprofils werden die relevanten Informationen aus den verschiedenen Informationsquellen zusammengestellt und dem Benutzer angeboten. Damit das ganze auch funktioniert, sind verschiedene Dinge erforderlich. Neben dem bereits genannten Benutzerprofil mit den Stammdaten und Interessengebieten des Benutzers ist es dringend erforderlich, dass die Informationen in strukturierter Form zur Verfügung stehen. Diese Strukturierung ist bereits in der Konzeptionsphase zu erarbeiten. Wir nennen die dafür notwendige Aktivität Content Modellierung.

Was ist Content Modellierung?

Content Modellierung dient der Strukturierung und Kategorisierung der Informationen, die im Portal darzustellen sind. Ähnlich einem Datenmodell für eine Applikation werden die Informationen für das Portal modelliert. Ein solches Modell besteht aus Content Typen und deren Beziehungen. Beispielsweise kann es einen Content Typ Nachricht geben. Ein solcher Content Typ wird durch Metaattribute und Attribute beschrieben. Metaattribute enthalten Daten über Daten, d.h. sie beschreiben den Content. Beispielsweise sind der Autor, das Erstellungsdatum oder die Keywords klassische Metadaten. Attribute hingegen enthalten die eigentlichen Informationen. Im Falle des Content Typs Nachricht könnten dies die Attribute Titel, Untertitel, Text, Referenzen und Kontakt sein. Aus den Content Typen und deren Beziehungen ergibt sich dann das Content Modell. Dinge wie Vererbung und Spezialisierung, die man aus der objektorientierten Modellierung kennt, finden auch hier ihre Anwendung - zumindest für das fachliche Modell. So könnte beispielsweise der Content Typ Nachricht noch Spezialisierungen haben wie Rundschreiben oder Pressemeldung.

Wozu dient diese Modellierung?

Auf Basis der Attribute (und auch Metadaten) können zum einen Informationen gezielt ermittelt und dem Benutzer zur Verfügung gestellt werden. Beispielsweise können einem Mitarbeiter, der einem bestimmten Standort zugeordnet ist, auch nur die Standort-relevanten Nachrichten angzeigt werden. Zum anderen können durch die Strukturierung auch Teile der Informationen zur Verfügung gestellt werden. So ist es eventuell erforderlich, auf der Startseite des Portals, lediglich die Titel und die Zusammenfassung der Nachricht darzustellen. Liegen diese Information nicht strukturiert in separaten Attributen vor, wäre dies nicht möglich.
Wie auch bei der Datenmodellierung gilt es bei der Content Modellierung, Mass zu halten. Es muss nicht zwanghaft alles strukturiert abgebildet werden. Die Notwendigkeit besteht dann, wenn entweder Informationen personalisiert oder auszugsweise dargestellt werden sollen. Auch Aspekte der Content Wiederverwendung spielen eine Rolle. So kann beispielsweise strukturierte Information über Produkte an den verschiedensten Stellen wiederverwendet werden - sei es als Überblicksinformation auf den Webseiten oder mehr detaillierte Informationen auf den internen Marketingseiten oder im Bereich Vertrieb.

Wer sich weiter für das Thema Modellierung und Strukturierung von Informationen interessiert, dem empfehle ich das Studium des Buches "Single Source Publishing" von Sissi Closs [1]. Die Zielrichtung geht zwar eher in die Richtung des Publizierens von Dokumentationen - man erhält aber einige Anregungen, die sich direkt auf das Thema Content Modellierung für Informationsportale abbilden lassen.

Kategorien: IT-ConsultingPortale

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