Enterprise 2.0 und das Problem mit der Partizipation

von Peter Soth

Eine Enterprise 2.0 Lösung ist meist schnell innerhalb eines Unternehmens eingeführt. Jedoch fehlt es meistens an einer Strategie, die Nachhaltigkeit von Enterprise 2.0 innerhalb eines Unternehmens zu verankern. Die Nachhaltigkeit kann sich jedoch nur einstellen, wenn die Enterprise 2.0 Community durch interessante Beiträge lebt.
Jakob Nielsen (Nielsen Norman Group) hat  in seinem Blog-Beitrag (90-9-1 Rule for Social Design) im Jahre 2006 auf das ungleichmäßige Verhältnis von Content-Lesern und Content-Editoren im Internet hingewiesen. Seine in diesem Blog erwähnte 90-9-1-Regel besagt folgendes:

  • 90% - lesen und suchen, liefern jedoch keinen Content
  • 9% - steuern gelegentlich Content bei
  • 1% - steuern regelmäßig Content bei
Jakob Nielsen weist in seinem Blog-Beitrag (Social Networking on Intranets) aus dem Jahre 2009 darauf hin, dass es auch im Intranet ein Ungleichgewicht zwischen Mitarbeitern gibt, die viel beisteuern und solchen, die nur lesen. Es kommt seiner Meinung nach darauf an, dass das Verhältnis von Editoren und Lesern innerhalb der Community stimmt. Auch sind die reinen Leser nicht unterzubewerten, da auch sie von der Community profitieren. Das Verhältnis von Lesern und Editoren kann von Unternehmen zu Unternehmen variieren. Andrew McAfee beschreibt in seinem Blog-Beitrag (Enterprise 2.0 the Indian Way – 7. April 2011) einen Besuch beim indischen IT Dienstleister Tata Consultancy Services. Hier war der Anteil der Editoren sehr viel höher, bedingt durch einen sehr hohen Anteil von jungen Mitarbeitern (Digital Natives), die schon mit Social Media aufgewachsen sind.

Wie kann die Partizipation erhöht werden?

Jakob Nielsen hat in seinem Blog folgende Punkte hierzu aufgeführt:
  • Die Veröffentlichung von Content muss sehr einfach sein, damit nicht nur technisch Versierte mitmachen können.
  • Partizipation als Nebeneffekt. Vergleichbar mit Amazon‘s Empfehlungen oder Most Viewed Topics (Tag Cloud).
  • Teilnehmer sollen belohnt werden. Dies kann monetär (Incentives) oder auch mittels Anerkennung („Gold Stars“ auf Profil) realisiert werden. Andrew McAfee beschreibt in seinem Blog-Beitrag, dass bei TCS die Editoren vor allem durch Ihre Reputation innerhalb der Community motiviert wurden Inhalte beizusteuern. In Deutschland ist es ratsam sehr früh den Betriebsrat einzubinden.
  • Editoren mit qualitativ hochwertigen Informationen müssen promotet werden, damit Ihre Beiträge nicht in der Masse der 1% Überaktiven untergehen.
Folgende Vorschläge wurden innerhalb eines OpenSpace Workshops (moderiert durch Dr. Willms Buhse) auf der Social CRM Veranstaltung der Computerwoche in Karlsruhe erarbeitet:
  • Geduld - ein Klima (Unternehmenskultur), in dem die Mitarbeiter im doppelten Sinne Zeit bekommen
    - in dem die Umstellung nicht bis gestern erwartet wird
    - in dem der Zeitaufwand für die Einarbeitung in die neuen Strukturen und Werkzeuge berücksichtigt und/oder honoriert wird
  • Benutzerfreundlichkeit
  • Konkrete Ziele vereinbaren und dabei das mittlere Management einbeziehen
  • Menschen, die den Umgang mit den neuen Technologien und ihren Möglichkeiten begleiten (Moderatoren)

Fazit

Partizipation ist ein wichtiger Aspekt bei der Einführung von Enterprise 2.0 innerhalb eines Unternehmens.  Meines Erachtens ist die kontinuierliche Moderation nach dem Go-Live sehr wichtig, damit die Begeisterung nach einer anfänglichen Euphorie nicht verloren geht. Ich höre des Öfteren auch noch eine weitere Möglichkeit, um die Partizipation zu steigern. Hierbei wird erwähnt, die Teilnahme innerhalb der Enterprise 2.0 Community in die Ziele des Mitarbeiters aufzunehmen. Dies würde ich jedoch nur als letzte Maßnahme in Betracht ziehen (falls obige Punkte nicht greifen), da eine freiwillige Teilnahme besser ist, als eine erzwungene.

Links

[1] Jakob Nielsen

Kategorien: Enterprise 2.0IT-Consulting

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