Welche Cloud-Lösung soll man wählen?

von Peter Soth

In diesem Blog-Post möchte ich über unsere Erfahrungen mit unterschiedlichen Cloud-Anbietern berichten und wofür wir selbige einsetzen. Cloud Computing umfasst drei verschiedene Servicemodelle: Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS). Die Anzahl der Dienste ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Als bekannte Größen zählen hier ohne Frage Amazon und Salesforce. Ich werde mich jedoch auf IaaS konzentrieren, da dies unser Haupteinsatzzweck von Cloud Computing ist. Wir benutzen JiffyBox [1], ProfitBricks [2] und Amazon AWS [3]. Hierbei sei anzumerken, dass Amazon mit Elastic Beanstalk auch zu den PaaS Providern gezählt wird.

Aufsetzen der Infrastruktur

Bei JiffyBox kann man zwischen verschiedenen Server-Konfigurationen (RAM, CPUs, Plattenplatz) wählen, diese sind aber im Gegensatz zu ProfitBricks starr. Analog sieht es bei Amazon aus. Anders bei ProfitBricks: Hier ist man mit dem Data Center Designer in der Lage, ein eigenes Rechenzentrum zu konzipieren. Der Data Center Designer ist derzeit unter den IaaS Anbietern einmalig.

Flexibilität

Das flexibelste System für das Aufsetzen der Infrastruktur ist unserer Erfahrung nach ProfitBricks. Die Server-Konfiguration ist bspw. am genauesten justierbar. Des Weiteren zieht man virtuelle Lan-Kabel zwischen den einzelnen Komponenten, wie Load-Balancer und Servern. Auf diese Weise wird u.a. festgelegt, welcher Server Verbindung zum Internet hat. Ein Film zum Data Center Designer [4]. Bei Amazon AWS fällt die stattliche Anzahl von Amazon Machine Images (AMI) [5] auf. Bei JiffyBox ist positiv zu werten, dass Server eingefroren werden können und folglich die Kosten reduzierbar sind.

Security

Bei JiffyBox steht jeder Server zunächst direkt im Internet, natürlich besteht die Möglichkeit, diese abzusichern. Amazon AWS ist hier über Security Groups um einiges strikter. Bei ProfitBricks kann genau definiert werden, welcher Server eine Verbindung ins Internet erhält, was unserer Erfahrung nach ausgesprochen charmant ist. 
Folgende Anekdote soll die Vorteile dieses Ansatzes aufzeigen: Bei einem Partnerunternehmen wurde einmal eine JiffyBox gehackt. Die Ursache hierfür entstand dadurch, dass in einem Projekt flott ein Demo-Server bereitgestellt werden sollte. Die Arbeitskollegen haben diesen in Windeseile aufgesetzt und dabei jedoch versäumt die Standard-Passwörter zu modifizieren. Unsere Demo-Server sind demzufolge bei Profitbricks. Setzen wir einen Demo-Server auf und ein Kollege würde vergessen, die Passwörter zu ändern, so ist dies weniger kritisch, da in unserem virtuellen Rechenzentrum nur ein Server, der als Reverse-Proxy fungiert, Zugriff zum Internet hat. Dieser ist bspw. mit fail2ban [6] etc. vielfältig abgesichert. Und das Aufsetzen der Infrastruktur ist bei ProfitBricks in der Tat sagenhaft einfach.

Leistungen

Bei diesem Punkt waren wir von Amazon AWS enttäuscht. Zunächst dachten wir, es liegt an der Konfiguration. Doch nach einer entsprechende Recherche war klar, dass dies wohl bekannt ist [7]. Bei JiffyBox und ProfitBricks sind wir mit der Performance zufrieden. Wobei hier ProfitBricks noch etwas fixer sein sollte, da Technologien wie InfiniBand etc. eingesetzt werden.

Datenschutz

Dies ist in letzter Zeit ein extrem relevantes Thema. JiffyBox und ProfitBricks haben ihre Serverstandorte in Deutschland und unterliegen folglich deutschem Recht. ProfitBricks bietet auch noch ein vollkommen autarkes Rechenzentrum in den USA an. Bei Amazon stehen die Server in Irland. Wer eine weltweite Verteilung benötigt (Amerika, Europa und Asien) mag dennoch bei Amazon passend aufgehoben sein. Die Problematik Datenschutz sollte aber trotzdem genau betrachtet werden.

Preis

JiffyBox ist durch die Möglichkeit, dass Server eingefroren werden können, eine preisgünstige Option. Amazon unserer Erfahrung nach die Teuerste.

Fazit

Wir benutzen die JiffyBox bspw. zum Aufbau eines Last-Test-Szenarios. Da die Server nicht immer verfügbar sein müssen, können durch das Einfrieren die Betriebskosten gesenkt werden. Profit-Bricks setzen wir für unsere Demo-Server ein. Mit Hilfe des Reverse-Proxy-Servers, der nur mit dem Internet verbunden ist, sind wir hier auf der sicheren Seite. Amazon AWS verwenden wir, wenn wir zum Testen im Projekt eine spezielle Software benötigen, die es als Amazon AMI gibt.

Nachtrag 06.06.2014

Wie ich erfahren habe, ist auch ein Einfrieren bei ProfitBricks möglich. Dies werden wir dann beim nächsten Mal in Betracht ziehen.

Kategorien: IT-Consulting

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